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Das Gespräch mit dem Künstler wurde von Nina Mentzel im Rahmen der Seminararbeit an der Hochschule für Bildende Künste Dresden geführt

Anhand der Befragung vor Ort konnten zu fünfzehn Objekten die Materialien und Herstellungstechniken erarbeitet werden. Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt der Herstellungstechnik und den verwendeten Werkstoffen sollten auch Fragen zu deren Herkunft, weiter zur kunsttechnischen Zusammenarbeit mit Assistenten, zur Installation der Werke, sowie schließlich zu konservatorischen und restauratorischen Aspekten ausgearbeitet werden. Zu jedem Objekt entstand ein individueller Fragenkomplex. Die Struktur dieser Fragenkomplexe orientierte sich am Entstehungsprozess von Kunstwerken allgemein: Entwurf – Modell – Herstellung – Material – Fassung – Installation.


Die vollständige Seminararbeit kann hier im Pdf-Format herunter geladen werden.

Einleitung

Seit den Siebziger Jahren werden zunehmend zeitgenössische Künstler zu Techniken und Materialien befragt. Die Gespräche sollen Fragen zu Vorgehensweisen, verwendeten Materialien und zu Positionen des Künstlers zur Konservierung und Restaurierung klären. Bei der Erhaltung und Pflege zeitgenössischer Kunst sieht sich der Restaurator oft mit besonderen Aufgaben konfrontiert. Arbeitsweise, Materialwahl, Materialkombinationen und Präsentationsbedingungen sind von Künstler zu Künstler unterschiedlich. Es lassen sich keine allgemeinen Regeln oder Richtlinien in den Vorgehensweisen der Künstler erkennen, wie sie zum Beispiel in Zunftordnungen oder Malertraktaten aus früheren Zeiten festgelegt waren. Umso wichtiger erscheint die Befragung zeitgenössischer Künstler zur Dokumentation der individuellen Arbeitstechniken und verwendeten Materialien.
Der Gedanke im Rahmen einer Seminararbeit eine Befragung zeitgenössischer Künstler durchzuführen, entwickelte sich während einer Gastvorlesung des Restaurators Erich Gantzert–Castrillo an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Im Gespräch mit Herrn Prof. Dr. Ulrich Schießl entstanden daraufhin zwei Seminarprojekte, welche sich mit der Befragung zweier zeitgenössischer deutscher Künstler beschäftigen: Gespräch mit dem zeitgenössischen Künstler Martin Honert über die Herstellungstechnik seiner Objekte von Nina Mentzel und eine Arbeit über den Maler André Butzer von Eliza Reichel. Beide Arbeiten stehen in engem Zusammenhang mit dem Projekt »artemak« von Herrn Erich Gantzert–Castrillo und Frau Elisabeth Bushart. Das von Herrn Erich Gantzert–Castrillo in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre am Museum in Wiesbaden gegründete Archiv für Technik und Arbeitsmaterialien zeitgenössischer Künstler soll in einer Internetdatenbank weitergeführt werden.
Die von den beiden Restauratoren entwickelten Basisfragen zu Material und Technik gaben den Anstoß bei der Erarbeitung der individuellen Fragenkataloge zur Befragung der Künstler. Neben der Dokumentation der Materialien sollen auch die Hersteller und die Bezugsquellen des verwendeten Materials erfasst werden. Für diese Datenbank werden in Kontakt mit den zeitgenössischen Künstlern Arbeitsweisen dieser Künstler, die von ihnen verwendeten Materialien und deren Bezugsquellen, die Herstellungstechniken der Objekte, sowie Fragen zur Konservierung und Restaurierung in Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern erarbeitet und dokumentiert. Es soll verschiedene Links geben zu Künstler, Werk, Künstlerbiographie, zu Ausstellungen, Werkdaten und Texten zum Künstler von Restauratoren und Kunsthistorikern verfasst, sowie Abbildungen von Künstlern und ihren Objekten, zur Entstehung ihrer Werke und zu den Fertigungsprozessen. Die Internetdatenbank befindet sich noch im Aufbau und wird voraussichtlich in der Mitte des Jahres 2007 eröffnet werden.
In meiner Arbeit beschäftigte ich mich mit den Arbeitsweisen, Herstellungstechniken und Materialien des Objektkünstlers Martin Honert. Allgemein lässt sich sagen, dass dieser Künstler hauptsächlich mit Kunststoffen arbeitet und diese in vielfältiger Kombination einsetzt. Das Material Kunststoff beinhaltet an sich ein breites Spektrum verschiedenster Stoffe mit verschiedenen Eigenschaften. Jedes Objekt erfordert also eine individuelle Dokumentation der Materialien und Arbeitstechniken.
Anhand einer Befragung Martin Honerts sollten verwendete Materialien und Herstellungstechniken des Künstlers an fünfzehn seiner Arbeiten dokumentiert werden. Vom 11. Februar bis zum 22. April 2007 fand die Ausstellung »Martin Honert« in der Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lipsiusbau statt. Die Befragung erfolgte zu fünfzehn der dort ausgestellten Objekte direkt vor Ort. Jedes der fünfzehn Objekte wird in meiner Arbeit einzeln aufgeführt und ausgewertet. Die Befragung, die Transkription und eine zusammenfassende Auswertung im Hinblick auf die Herstellungstechniken dieser Objekte sind zentraler Gegenstand meiner Arbeit. Die Auswertung der einzelnen Objekte bildet mit der Darstellung der Herstellungstechniken und verwendeten Materialien den Hauptteil. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.
Positionen des Künstlers zu dem künstlerisch-intellektuellen Konzept seiner Arbeit und zu den konservatorischen und restauratorischen Aspekten erfragte die Autorin in einem zweiten Gespräch. Die Fragenkataloge sowie die Transkription des zweiten Gesprächs befinden sich im Anhang der Seminararbeit. Technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter und sonstige Informationen zu den vom Künstler verwendeten Produkten befinden sich ebenfalls im Anhang der Arbeit.

Das Gespräch mit Martin Honert


Vorbereitung
Zur Strukturierung des Gespräches mit Martin Honert erfolgte die Ausarbeitung eines Fragebogens. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete dabei die Herstellungstechnik der Kunstwerke und das vom Künstler verwendete Material. Daneben sollten auch Fragen zur Herkunft des Materials, zur Zusammenarbeit mit Assistenten und zur Installation der Werke ausgearbeitet werden. Zu jedem Objekt entstand ein individueller Fragenkomplex. Die Struktur dieser Fragenkomplexe orientierte sich am Entstehungsprozess von Kunstwerken allgemein: Entwurf – Modell – Herstellung – Material – Fassung – Installation.
Im Herbst 2006 nahm die Verfasserin Kontakt mit Martin Honert auf, um ihm von der Befragung zu berichten. Martin Honert reagierte sehr aufgeschlossen und erklärte sich bereit das Gespräch direkt vor seinen Objekten in der Ausstellung im Lipsiusbau der Galerie der Neuen Meister in Dresden durchzuführen.

Durchführung
Das Gespräch wurde mit einem digitalen Diktiergerät an einem Tag aufgenommen. Die Aufnahme umfasst drei Stunden und 34 Minuten. Die Fragen folgten meist dem ausgearbeiteten Fragenkatalog. Jedoch konnte im Verlauf des Gesprächs flexibel auf die Erzählsituation eingegangen werden. Fragen zu speziellen Herstellern und genaue Produktbezeichnungen wurden später per E-Mail oder telefonisch abgeklärt.

Transkription
Die Transkription folgte dem originalen Wortlaut. Der wortwörtlichen Transkription folgte eine Überarbeitung. Wiederholungen oder Sequenzen, die nicht zum eigentlichen Thema der Befragung gehörten, wurden weg gelassen. Die überarbeitete Version ist per E-Mail zur Korrektur an den Künstler geschickt worden. Martin Honert hat diese Version seinerseits überarbeitet und an die Verfasserin zurückgeschickt.

Die künstlerische Arbeitsweise Martin Honerts

Der erste Schritt bei der Umsetzung seiner künstlerischen Idee ist für Martin Honert der zeichnerische Entwurf. Meist handelt es sich um exakt ausgearbeitete Darstellungen in Aquarell oder Gouache. Neben Collagen erstellt er auch Zeichnungen mittels Computerprogrammen.
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 »Entwürfe« 1994, Mappe mit 19 Laserkopien, 30 x 21 cm (je Bild), Auflage: 40, 1. The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb Horsley and Annie Townsend Bequest, Foto: Dennis Cowley, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Entwürfe« 1994, Mappe mit 19 Laserkopien, 30 x 21 cm (je Bild), Auflage: 40, 1. The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb Horsley and Annie Townsend Bequest, Foto: Dennis Cowley, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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Kinderzeichnung von Martin Honert, Foto: Privatarchiv Martin Honert, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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Entwurfszeichnung für das Werk »Riesen«, Digitale Repro (Scan): Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Martin Honert versteht seine Entwürfe nicht als Skizzen, sondern bezeichnet sie als konkrete Vorlagen für seine Objekte. Mit dem zeichnerischen, farbig kolorierten Entwurf bannt er seine Ideen auf Papier und isoliert sie aus ihrer Umgebung. Zudem klärt er Proportionen und legt die Farbgebung fest. Vorwiegend fertigt Martin Honert nur eine Ansicht als Vorlage an. Alle Entwürfe befinden sich in Privatbesitz des Künstlers.
Die Umsetzung des zeichnerischen Entwurfs in die dreidimensionale Ebene erfolgt bei Honert immer aus der Vorstellung heraus. Bei der Herstellung seiner Objekte gibt es keine einheitliche Vorgehensweise. Martin Honert sucht zur Realisierung seiner Konzepte jedes Mal das geeignete Material und die geeignete Technik. Vorwiegend verwendet er Kunststoffe. Deren Oberflächenstruktur ermöglichen Honert den Charakter von reproduzierbarer Ware zu erzeugen, auf den er bei seinen Objekten großen Wert legt. Die Bemalung der Objekte ist für Martin Honert zweckgebunden. Die Wahl, die er dabei trifft, ist von dem jeweiligen Objekt und der Wirkung die er erzielen möchte, abhängig.
Spezielle Arbeitsschritte, wie industrielle Verfahren, fotografische Verfahren oder Abformungen lässt Martin Honert extern durchführen. Seit 1991 arbeitet er mit seinen Assistenten Mathias Roeser (Düsseldorf) und Peter Kasimir Sonntag (Dresden) zusammen.


Material und Herstellungstechnik der Objekte

Material und Herstellung des Bildträgers
Martin Honert arbeitet meist mehrere Monate an der Herstellung seiner Arbeiten. Die Vielfältigkeit seiner Materialien und Herstellungstechniken lässt keine Beschreibung eines einheitlichen Verfahrens zu. Fertigt Honert Figuren oder Reliefs an, so bedient er sich meist Abformtechniken, wie Gips- oder Silikonabformungen. Modelle formt er dabei in Ton oder Gips. Die Modelle werden mit Silikon abgeformt und in Polyester- oder Epoxidharz gegossen und anschließend farbig bemalt. In seiner Abschlussarbeit »Kinderkreuzzug« an der Akademie in Düsseldorf stellte Martin Honert die Negativ- und Positivformen der Figuren und des Reliefs noch selbst her. Inzwischen überlässt er die Abformungen Fachfirmen. Die Wahl des geeigneten Materials obliegt dann den jeweiligen Firmen. Die dort für Abformungen gebräuchlichen Kunststoffe sind glasfaserverstärkter Polyesterlaminierharz und Epoxidharz. Es handelt sich hier um Zweikomponenten–Systeme, wobei dem Harz Härter zugegeben werden. Aus den Negativformen werden meist mehrere Positive hergestellt. Die Höhe der Auflage liegt normalerweise bei maximal vier, davon gehört eines dem Künstler.
Neben der bereits erläuterten Herstellungstechnik arbeitet Martin Honert mit Materialien wie Polyurethanschaum, Polystyrol, Polyesterharzsandmischungen, Polyurethankautschuk, Polyethylenterephthalat PET, fotografisches Material (Großdiapositive), Inkjet-Drucke, Sperrholz, Glasmosaik, Sand und Modelleisenbahnzubehör, Aluminium. Diese setzte er vielseitig ein. Polyurethanschaum verwendete der Künstler zum Aufbau von Volumen, um einen Träger für eine Außenhülle zu schaffen. Polystyrol kam als Folie, Platte oder geschäumt (Styrodur, Styropor) zum Einsatz. Folien verwendete er zum Beschichten von Styropor. Zur Herstellung von Wackelbildern nutzte Honert Linsenrasterbilder aus Polystyrol. Geschäumtes Polystyrol wurde zum Schnitzen von Figuren verwendet. Polyesterharzsandmischungen setzte Honert als strukturgebende Oberflächen ein. Zur naturalistischen Darstellung von Haut verwendete der Künstler Zweikomponenten–Polyurethankautschuk. Als Modelliermaterial kam neben Gips und Ton auch eine spezielle Modelliermasse auf Basis von Polyurethankautschuk zum Einsatz.
Die Entwicklung und Bearbeitung fotografischer Materialien lässt Honert in Fachlabors durchführen.

Material und Fasstechnik

Zehn der sechzehn ausgestellten Objekte hat Martin Honert bemalt, teilweise mit oder ohne Grundierung. Zum Grundieren benutzte Martin Honert hauptsächlich Produkte auf Acrylbasis (Amphibolin, Alpina Weiß, Fa. Caparol). Der Auftrag erfolgte ein- oder mehrschichtig mit Pinsel oder Rolle. Bei den restlichen Objekten handelte es sich um spezielle Vorbehandlungen des Bildträgers, welche entweder eine Voraussetzung zur weiteren Bemalung darstellten, oder bestimmte Oberflächen erzeugen sollten. Honert ist bestrebt mit der Grundierung oder Vorbehandlung des Bildträgers eine glatte Oberfläche zu erzeugen. Zur Herstellung von Unterzeichnungen auf dem Bildträger oder der Grundierung projiziert Martin Honert meist Folien mit Kontur- aber auch Binnenzeichnungen, die er mit verschiedenen Zeichen-/Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Folienstiften aufzeichnet.
Die farbige Fassung brachte der Künstler meist mit Acryl - und Ölfarben verschiedener Hersteller in mehreren, dünnen Schichten direkt auf die Grundierung auf. Zuerst legte Martin Honert farbige Flächen in Acryl an, darauf folgen Feinheiten, Muster, Lichter und Schatten in Öllasuren. Als Verdünnungsmittel kommen verschiedene, konfektionierte Malmittel zum Einsatz.

Katalog zur Herstellungstechnik der einzelnen Objekte


Riesen (2006/07)

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 »Riesen«, Austellungsabbau: Installationsansicht, Galerie Neue Meister, Dresden, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Styropor, Polyurethankautschuk, Spezialtinten, Rosshaar, Textilien, Hartfaserplatten, Kompositdreck, Lederwachs

Besitz des Künstlers, Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007

Objektbeschreibung
Das Objekt zeigt zwei circa 270 cm große männliche Figuren. Sie tragen verschmutzte, etwas zu klein geratene Kleidung. Der rechte Riese umfasst mit beiden Händen einen Wanderstab, der linke Riese hält in seiner rechten Hand einen Rucksack. Beide Männer haben die Kapuzen weit in die Stirn ihrer bärtigen Gesichter gezogen. Im Vergleich zum Körper wirken Hände und Füße zu groß. Dies wird durch die zu kleine Bekleidung zusätzlich betont.

Bildträger
Die Körper der Riesen bestehen aus grob zugeschnittenen, aufeinander geklebten Styroporquadern (Schaumaplast Isolierstoffe GmbH). Die Verklebung der Würfel erfolgte mit PU–Schaum.
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 »Riesen« Atelier des Künstlers: Modell der Hände des Riesen mit schwarzer Kapuzenjacke, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Der Künstler hat, gemeinsam mit seinem Assistenten, die Rohlinge beschnitzt und mit Tapetenkleister und Packpapier kaschiert. Zur Stabilisierung und Verbindung der Körper miteinander befestigte Honert die Füße der Riesen mit einem abgewinkelten Metallrohr. Köpfe und Hände wurden in einem Abformverfahren hergestellt. Die Modelle der Gesichter und Hände hat Martin Honert mit einer Modelliermasse (Super Sculpey CE »Living Doll«, Fa. Kaupo) auf Styroporkerne aufgetragen. Zur besseren Haftung der Modelliermasse auf dem Styropor diente ein Netz, das in den Styroporkernen festgeschraubt war.
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 »Riesen«, Atelier des Künstlers: Modell, Detail Styroporkern mit Netzunterlage, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

In einer Silikonnegativform hat Martin Honert die Positive in hautfarben eingefärbtem Polyurethan–Kautschuk (Vyta Flex 20 /Smooth on, Fa. Kaupo) abgegossen.
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 »Riesen«, Atelier des Künstlers: Silikonform eines Gesichtes, Tisch mit Arbeitsmaterialien, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Riesen«, Atelier des Künstlers: Silikonform der linken Hand, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Zur zusätzlichen Einfärbung des Polyurethankautschuks nutzte er Nachfülltinten (Copic Various Ink, Fa. Copic) für Filzschreiber. Der Künstler konnte dabei bereits die Licht- und Schattenpartien in den Gesichtern anlegen. Zur Abformung aus den Negativformen pinselte Honert die Gesichter und Handflächen mit dem Polyurethankautschuk aus, die Finger goss er massiv. Die Gesichtsmasken klebte er mit PU–Schaum (Pistolenschaum, Baumarkt Hornbach) auf die Styroporkopfrohlinge. Bei der Verarbeitung des Polyurethankautschuks stellte der Künstler die Viskosität mit einem Füller (Aerosil, Fa. Kaupo) ein.
Zur Befestigung der Köpfe und Hände an den Styroporkörpern verwendete der Künstler leere PU-Schaum-Dosen, Papphülsen und Eisenrohre (20 mm Durchmesser). Die PU-Schaum-Dosen übernahmen bei der Montage der Köpfe die Funktion von Dübeln, die Papphülsen sind als Dübellochverstärkung in den Rumpf und die Arme des Styroporkörpers mit PU-Schaum eingeklebt. Bei den Händen funktionieren die Eisenrohre als Dübel.
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 »Riesen«, Atelier des Künstlers: Modell der Hände des Riesen mit schwarzer Kapuzenjacke, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Haarimplantationen auf Gesichtern und Händen stellten zwei Maskenbildnerinnen aus Berlin her. Sie verwendeten Rosshaar für Bart- und Armbehaarung. Die Augen sind aus halbierten Tischtennisbällen gefertigt und mit PU-Schaum in die Köpfe eingeklebt.
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 »Riesen«, Atelier des Künstlers: Augen eines Riesen, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Schuhe stellte der Künstler aus Hartfaserplatten und Kunstleder her. Die Hartfaserplatten klebte Honert an den Fußsohlen fest. Oberleder und Sohlen verschraubte er miteinander. Zur Bekleidung der »Riesen« verwendete Honert im Handel erhältliche Kleidungsstücke.

Fassung
Martin Honert beschmutzte die Kleidung mit Straßendreck und weißlich, transparentem Lederwachs (G – Wax, Fa. Granger's). Mit dem Wachs konnten die Tragespuren an Hemdkragen, Ärmelsaum, an den Ellenbogen und den Knien imitiert werden. Der Auftrag erfolgte mit Pinsel und Lappen. Die Haut bemalte Honert mit Ölfarben (Fa. Lukas, Fa. Schmincke) als dünne Lasur.
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 »Riesen«, Detail Hand des Riesen mit schwarzer Kapuzenjacke, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Verdünnt wurde mit dem Malmittel 1 (Fa. Lukas).
Die Tischtennisballhälften sind mit Acrylfarben (Fa. Lukas, Schmincke, Liquitex) direkt in mehreren, dünnen Schichten bemalt und mit einem Epoxidharz (Glosscoat, Fa. Voss Chemie) beschichtet, um eine glänzende Oberfläche zu erzeugen.
Die Schuhsohle des linken Riesen bemalte Honert mit schwarz eingefärbtem Polyurethankautschuk (So Strong-Abtönfarben, Fa. Kaupo).


Kinderkreuzzug (1985-87)

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 »Kinderkreuzzug«, 1985-87, Gesamtansicht, Polyesterharz, Acrylfarbe, Öltubenfarben, Leinwand, Figuren: ca. 165 cm hoch, Relief: 200 x 160 cm, Gemälde: 430 x 265 cm, Unikat, Privatsammlung Connecticut, USA, Foto: Jörg Sasse, Courtesy Matthew Marks Gallery, New York, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Polyester, bemalt, Öl auf Leinwand
Figuren: ca. 165 cm hoch
Relief: 200 x 160 cm
Gemälde: 430 x 265 cm
Privatsammlung, Connecticut, USA

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover – Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf, Düsseldorf 2006/2007
Szenenwechsel XII, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1997
Carnet de Voyage. Fondation Cartier, Jouy-en-Josas 1990

Objektbeschreibung
Diese Arbeit zeigt einen Kinderkreuzzug. Er besteht aus zwei vollplastischen Figuren, einem Relief und einem Leinwandgemälde. Der Zug der Kinder beginnt mit den vollplastischen Figuren, führt über das Relief in das Leinwandgemälde weiter und verläuft sich in der hügeligen Landschaft. Die vollplastischen Figuren sind etwa 165 cm hoch und stehen vor dem Relief, dem Betrachter zugewandt. Die Relieffiguren sind etwas kleiner dargestellt, um der Szene ihre Räumlichkeit zu geben. Alle tragen mittelalterliche, an Ritter erinnernde Kleidung.

Figur und Relief
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 »Kinderkreuzzug«, Detail vollplastische Figur und Relief, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Bildträger
Die Figuren und das Relief sind aus glasfaserverstärktem Polyester hergestellt. Der Künstler fertigte von Tonmodellen verlorene Gipsnegativformen an, aus denen er die Positivformen in glasfaserverstärktem Polyester abformte. Die erste Schicht, »der erste Coat«, ist hautfarben eingefärbt, die darauffolgenden Schichten sind weiß. Nähte, die vom Fügen der Figurenteile stammen, sollen an Gussnähte erinnern.
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 »Kinderkreuzzug«, Detail linke Figur: sichtbare Nähte, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Kinderkreuzzug« Detail rechte Figur: sichtbare Naht an Hals und Hemd, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Das Relief ist vor das Gemälde gestellt.
Die Sockel der vollplastischen Figuren sind aus Holzplatten hergestellt und mit den Figuren verschraubt.

Fassung
Martin Honert bemalte die Figuren in mehreren Schichten mit einer lösemittelhaltigen Acrylfarbe (Disbo). Die Sockel wurden mit einer handelsüblichen Holzgrundierung eingestrichen. Mit verdicktem Polyesterharz rollte Martin Honert die von ihm erwünschte Oberflächenstruktur auf und bemalte diese mit einem Acryllack (Disbo) grün.

Gemälde

Bildträger
Der Bildträger besteht aus einer Leinwand, die der Künstler auf einen Keilrahmen mit Tackerklammern aufspannte.
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 »Kinderkreuzzug«, Detail Gemälde: Spannrand, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Der originale Rahmen erwies sich als zu schmal und ungeeignet für eine Leinwand in dieser Größe. Bei einer nachträglichen Restaurierungsmaßnahme durch den Eigentümer ist die Leinwand auf einen neuen Rahmen aufgespannt worden. Der neue, stabilere Rahmen ist in der Mittel klappbar.
Die Leinwand enthält keine Appretur und wurde nach dem Aufspannen einmal genässt.

Fassung
Der Auftrag der weißen Grundierung (Amphibolin, Fa. Caparol) erfolgte mit einer Rolle direkt auf die Leinwand. Zur Übertragung des Entwurfes fertigte Martin Honert Folien an, die er auf die weiße Fläche projizierte.
Die Farbflächen legte der Künstler in Acryl an. Die Feinheiten wie Gräser, Blätter, Gesichter, Schatten und Lichter hat Martin Honert mit Ölfarben in Lasuren aufgetragen.
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 »Kinderkreuzzug«, Detail Gemälde: Oberflächenstruktur der Malerei, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Kinderkreuzzug«, Detail Gemälde: Wiese, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Menge des verwendeten Malmittels bestimmte die Erscheinung der Oberfläche. Der Künstler trug die Farbe in zwei Richtungen auf: von oben nach unten und von unten nach oben. Zuerst legte Honert den Himmel an, danach das Geschehen von unten her. Die Verblauung im Bereich der Landschaft erzeugte er mit dünnen Zinkweißlasuren.
In der unteren Bildhälfte unterteilte der Künstler die Bildfläche bereits in der Unterzeichnung in einzelne Abschnitte und malte diese Partien dann nacheinander, wobei die Bemalung von den Rändern zur Mitte erfolgte. Den Bereich des Reliefs bemalte Honert monochrom in grün, mit einer helleren, grünen Konturlinie.
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 »Kinderkreuzzug«, Detail Gemälde, Reliefbereich, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Linde (1990)

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 »Linde«, Ausstellungsaufbau: Auspacken und Aufstellen des Objektes, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Linde«, 1990, Polyurethanschaum, Polyestergießharz, Dämmkarton, Papierkonfetti, Eisendraht, Acrylfarbe, 145 x 140 x 140 cm, Unikat, The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb Camil Tremblay Estate and Horsley and Annie Townsend Bequest, Foto: Friedrich Rosenstiel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Polyurethanschaum, Polyestergießharz Dämmkarton, Papierkonfetti, Eisendraht, Acrylfarbe
Ca. 145 x 140 x 140 cm (ohne Sockel)
Ca. 240 x240 cm (mit Sockel)
The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb Camil Tremblay Estate and Horsley and Annie Townsend Bequest

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover - Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf, Düsseldorf 2006/2007
Martin Honert. Werkverzeichnis. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004
Cosmos: From Romanticism to Avant-Garde, Montreal Museum of Fine Arts, Montreal; Centre de Cultura contemporánia de Barcelona, Barcelona; Palazzo Grazzi, Venice, 1999

Objektbeschreibung
Die Arbeit »Linde« zeigt einen saftig, grünen, freistehenden Baum. Im Vergleich zu einem reellen Baum hat Martin Honert die »Linde« verkleinert dargestellt. Sie steht auf einem weißen Sockel und wird so in das Gesichtsfeld des Betrachters gehoben.

Bildträger
Bei der Herstellung der »Linde« folgte Martin Honert dem Wachstum eines Baumes: Zuerst stellte er Stamm und Äste her und dann das Blätterwerk, welches die endgültige Baumform darstellt.
Den Stamm fertigte der Künstler aus Weichfaserplatten, die er übereinander klebte. Die Stammform hat der Künstler vor dem Verkleben so zugeschnitten, dass der Stamm sich verjüngt und innen hohl ist. Die Verklebung der Platten erfolgte mit Kontaktkleber. Mit thixotropiertem Polyesterlaminierharz (Azur S- Viscovoss, Fa. Voss Chemie) beschichtete Martin Honert den Stamm und modellierte eine Rindenstruktur. Zur Herstellung der Äste verwendete der Künstler Eisendrähte verschiedenen Durchmessers (bis 2mm), die er in den hohlen Stamm hineinstellte und mit Polyesterharz eingoss. Honert bog mit den Drähten die grobe Baumform zurecht. Auf die Drähte steckte und klebte er dunkel eingefärbte Polyurethanschaum – Wolken (Unizell-Schaum HR – AT, Fa. Voss Chemie/Bauschaum, Baumarkt), um Volumen für die Außenhülle zu schaffen. Die Äste umwickelte Martin Honert mit Klebebändern und bemalte sie in grauer Acrylfarbe (Fa. Lukas, Fa. Schmincke).
Zur Bildung des Blätterwerkes stellte der Künstler verdickte, mit grün eingefärbte (PUR – Abtönpaste, Fa. Voss Chemie) Polyesterharzpaste her, die er auf die Drähte aufspachtelte. Die sichtbaren Äste wurden extra modelliert, mit Klebestreifen, zum Teil auch mit Schaumstoff und Klebestreifen umwickelt und mit Polyesterharz (Azur S – Viscovoss, Fa. Voss Chemie) eingestrichen. Das Konfetti besteht aus verschiedenfarbigen Papierschnipseln, die Martin Honert in den nassen Polyesterharz eingestreut und so modelliert hat, dass eine fächerartige Struktur entstand, wie sie für eine Linde typisch ist.
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 »Linde«, Ausstellungsaufbau: Detail Blätterwerk, eingestreutes Papierkonfetti, PU- Schaum, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007


Fassung
Die Oberfläche des Blätterwerkes hat Martin Honert mit eingefärbtem Polyesterharz, Acrylfarben und Buntstiften in unterschiedlich grünen und schwarzen Tönen bemalt.
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 »Linde«, Ausstellungsaufbau: Entfernen der Folie, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Den Sockel ließ Honert in einer Schreinerei anfertigen und mit einem Klavierlack beschichten.


Ritterschlacht (2003)

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 »Ritterschlacht«, 2003, Polystyrolschaum, Epoxydharz, Zweikomponenten-Acryllack, Polyethylen, X-Film, Stahl, Aluminium, 600 x 150 x 170 cm, Unikat, Besitz des Künstlers, Courtesy Matthew Marks Gallery, New York, Foto: Blickpunktstudios, Dresden, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Polystyrolschaum (Styrodur), Epoxidharz, Zwei – Komponenten – Acryllack, Polyethylen, X – Film, Stahl, Aluminium
Installationsfläche: ca. 600 x 150 x 170 cm
Besitz des Künstlers; Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover – Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf 2006/2007
Martin Honert. Werkverzeichnis. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004

Objektbeschreibung
Die »Ritterschlacht« ist eines von vier Werken, in denen Martin Honert eigene Kinderzeichnungen dreidimensional umgesetzt hat. Die Szene zeigt ein Schlachtfeld, wie es sich Martin Honert in seiner Kinderzeichnung ausgedacht hat.
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 »Ritterschlacht«, Ausstellungsabbau: Detail Kanonier und Kanone, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Ritterschlacht«, Ausstellungsabbau: Detail Reiterfigur, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Arbeit besteht aus 14 vollplastischen Figuren und Gegenständen. Bei den Figuren handelt es sich um Ritter in silbernen Rüstungen, mit Schwert oder Lanze bewaffnet. Ein Ritter sitzt auf einem Pferd. Die Ritter erinnern in ihrer Erscheinung an Spielzeugfiguren.

Bildträger
Die Umsetzung erfolgte mit grob geschäumten Polystyrol (Styrodur). Die Ritterfiguren, Kanonen und Kanonenkugel schnitzte Martin Honert in enger Zusammenarbeit mit seinem Assistenten Peter Kasimir Sonntag. Jede Figur besteht aus mehreren Teilen, welche separat mit herkömmlichen Haushalts- und Finnmessern geschnitzt und nach dem Fassen miteinander verklebt wurden.
Die Kanonenblase und die liegende Figur sind aus Polyethylen im Vakuumverfahren industriell hergestellt worden.
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 »Ritterschlacht«, Detail Skelett und Polyethylenterephtalatfigur, Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Ritterschlacht«, Ausstellungsabbau: Detail Kanonenblase mit Kanonenkugel, Foto: Nina Mentzel, VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Striche, die in der Kinderzeichnung auf der Kanonenblase zu sehen sind, konnten mit schwarzem, selbstklebendem X-Film nachempfunden und sind in einer Firma geplottet worden.
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 »Ritterschlacht«, Ausstellungsabbau: Detail Kanonenblase mit X-Film, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007


Fassung
Die Einzelteile mussten nach dem Schnitzen mit einem verdickten Epoxidharz (Speedcoat SC, Fa. Voss Chemie) mehrmals eingestrichen werden, um eine glatte Oberfläche zu erreichen. Die Farbschicht spritzte Peter Kasimir Sonntag mit einem Zweikomponenten–Acryllack auf die Einzelteile auf. Martin Honert verklebte die Figuren und Kanonen mit einem Epoxidkleber (Epovoss EP – 2000, Fa. Voss Chemie).


Schwimmer (1985)

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 »Schwimmer«, Installationsansicht, Galerie Neue Meister Dresden, (oben), Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Schwimmer«, Installationsansicht, Galerie Neue Meister Dresden, (unten), Foto: Nina Mentzel,© VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Styropor, Polystyrolfolie, pigmentierte Tinte
Insg. 18 Figuren: ca. 160 cm (je Figur); hier: 10 Figuren
Besitz des Künstlers, Courtesy by Johnen & Schöttle, Köln
Installation in runder Bodenöffnung in der Eingangshalle in der Galerie der Neuen Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lipsiusbau, 2007

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Rundgang, Kunstakademie Düsseldorf, Düsseldorf 1985

Objektbeschreibung
Die »Schwimmer« hat der Künstler während seines Studiums an der Kunstakademie in Düsseldorf für den Treppenaufgang, im Rahmen der jährlichen Ausstellung Rundgang entworfen. Martin Honert ging es darum, den Eindruck von Schwimmern sowohl unter als auch über der Oberfläche des Wassers entstehen zu lassen. Er fertigte hierzu Figuren aus zwei Teilen an. Um die optische Verkürzung einer Person unter der Wasseroberfläche darzustellen, ist das Unterteil leicht aus der senkrechten Ebene abgewinkelt und im Farbton bläulicher. Die farbliche Gestaltung mittels Airbrush – Technik sollte den Objektcharakter der »Schwimmer« hervorheben und an Aufstellerfiguren erinnern.

Bildträger
Die Figuren sind aus beschichteten Styroporplatten gearbeitet. Jeder Schwimmer besteht aus zwei 15 Millimeter dicken Styroporplatten, die mit 0,5 Millimeter dicker, weißer Polystyrolfolie beschichtet sind.
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 »Schwimmer«, Detail Oberteile der Figuren, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Zuerst projizierte Martin Honert die Konturen der Figuren mittels Folien, zeichnete die Linien nach und schnitt anschließend die Figuren aus. Auf die Oberfläche und die Kanten der beschnittenen Styroporplatten wurde folgend Polystyrolfolie mit dem Kontaktkleber Assil K aufgestrichen bzw. aufgedrückt. Die Ober- und Unterteile der Schwimmerfiguren sind durch ein Scharnier aus festen, transparenten und circa 3 Millimeter dicken Polystyrolplättchen miteinander verbunden. Die Breite der Polystyrolplättchen entspricht der Dicke der Styroporplatten. Die Plättchen hat Honert quer in die beschichteten Styroporplatten eingesteckt und mit einem Kontaktkleber (Assil K, Fa. Henkel) festgeklebt.
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 »Schwimmer«, Detail Ober- und Unterteile der Figuren, Scharniere, Stahlseile, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Jedes Plättchen hat eine Bohrung, durch die Messingschrauben führen, um die Scharniere feststellen zu können. Die Messingschrauben haben in der Länge ein Loch, durch welches das Stahlseil für die Hängung der »Schwimmer« führt. Die Oberteile der Figuren können durch die Stellschrauben, die Unterteile mit Nylonfäden fixiert werden.

Fassung
Die Bemalung der Figuren erfolgte in Airbrush –Technik. Honert hat die Farbe direkt mit der Airbrush– Spritzpistole auf die Polystyrolfolie aufgespritzt. Zum Teil benutzte er dazu auch Schablonen. Honert verwendete Airbrush – Farben (Fa. Schmincke). Es handelt sich dabei um fein pigmentierte Tinten.


Haus (1988)

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 »Haus«, 1988, Glasfaserverstärkter Polyesterharz, Plexiglas, Messing, Zinkplatte, Lack, Acrylfarben, Epoxydkleber, 53 x 38 x 48 cm, Unikat, Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, Foto: Friedrich Rosenstiel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Diverse Materialien, z. B.: glasfaserverstärkter Polyesterharz, Plexiglas®, Messing, Zinkplatte, Lack, Acrylfarben, diverse Kleber53 x 38 x 48 cm (ohne Sockel)
Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Martin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004
Zwischenzeit. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2002
Szenenwechsel I. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1992
Peter Mertes Stipendium, Bonner Kunstverein, Bonn 1991
Carnet de Voyage. Jouy-en-Josas 1990
Martin Honert. Katharina Fritsch und Thomas Ruff. Stichting de Appel, Amsterdam 1989

Objektbeschreibung
Das »Haus« steht, wie das Objekt »Linde«, auf einem Sockel. Beide Werke sind als Portraitbüsten einer Persönlichkeit gedacht.
Das »Haus« ist ein einfaches, unauffälliges, für das Ruhrgebiet typisches Haus. Martin Honert ist auf Bahnfahrten auf dieses aufmerksam geworden.

Bildträger und Fassung
Bei diesem Werk hat der Künstler Baumaterial aus diversen Materialien hergestellt. Das Baumaterial wurde dann, wie bei einem Baukasten miteinander verklebt. Dabei kamen verschiedene, handelsübliche Kleber zum Einsatz: Sekundenkleber, Kontaktkleber, Epoxidkleber, etc.
Die Wände wurden aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gegossen, die Scheiben sind Plexiglas® und die Profile aus Messing gefertigt.
1:575

 »Haus«, Detail Sockelbereich: graue Messingprofile, Plexiglasscheiben, aufgemalte Fußbodenplatten, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Der Steinsockel des Hauses ist aus einer Zinkplatte mit Ätznadelradierung hergestellt und mit einem zähen, weißen Lack bemalt.
1:561

 »Haus«, Detail Sockelbereich: Kellergitter, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Vorhänge aus Transparentpapier sind mit Bleistift gestaltet.
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 »Haus«, Detail Fensterwand: Rauputzoberfläche, Plexiglasscheiben, Vorhänge aus Transparentpapier, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Dach und Wände bemalte der Künstler mit Acrylfarben. Der Sockel wurde in einer Tischlerei hergestellt und mit Klavierlack bemalt.


Laterne (Grosse Version) (2003)

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 »Laterne (Grosse Version)«, 2003, Laserchrome, Großdiapositiv opal, gespannt auf Aluminiumrahmen, Polystyrol, 300 x 300 x 300 cm, Privatsammlung, Foto: Axel Schneider, Courtesy Johnen & Schöttle, Köln, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Versionen: 2 (1 artist's proof)
Version 2: Laserchrome, Großdiapositiv opal, gespannt auf Aluminiumrahmen, Polystyrol
300 x 300 x 300 cm
Privatsammlung

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Martin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004
Kunsthalle Mannheim, Mannheim 2003

Objektbeschreibung
Die »Laterne (Grosse Version)« entwickelte Martin Honert für die Ausstellung Human Kind auf der EXPO 2000 in Hannover. Dort wurde verschiedenen Künstlern drei Kubikmeter fassende Stahlkuben als Ausstellungsräume zur Verfügung gestellt. Martin Honert setzte den Kubus als Laterne um. Er entwickelte eine "...Szene, die gleichzeitig auch das Innere des Kubus sein könnte: in einem quadratischen Raum, der zum Himmel geöffnet ist, liege ich leicht aufrecht gelehnt im Bett und sehe im Fernseher eine Sendung mit Satellitenaufnahmen von der Erde." Die »Laterne« besteht aus einem Quader (3 m x 3 m x 3 m) aus Aluminiumleisten, der auf allen vier Seiten ein Foto zeigt auf dem ein Mann (Martin Honert) im Bett liegt und sich im Fernsehen die Sendung Spacenight anschaut.

Fertigung
Die Dias wurden in einem Düsseldorfer Fotostudio mit einem Ektachrome-Film von Kodak gefertigt, anschließend von einem 3D-Spezialisten weiter bearbeitet und in dem Fachlabor Foto-Grieger als Großdiapositive aus belichtet.
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 »Laterne (Grosse Version)«, Vorderansicht, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Diese Großdiapositive sind auf eine UV-Folie aufgezogen und in zwei Bahnen auf einen Aluminiumrahmen aufgespannt. Die Verklebung der zwei Bahnen erfolgte mit einem doppelseitigen Spezialklebeband für fotografische Materialien. Die Konturlinien aus Polystyrol wurden mittels Wasserfräsverfahren in einer Fachfirma ausgeschnitten und mit einer schwarzen, ein Millimeter dünnen Polystyrolfolie beschichtet. Die schwarzen Umrisslinien klebte der Künstler von außen auf die UV-Folie der Großdiapositive.
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 »Laterne (Grosse Version)«, Detail Vorderansicht, seitliche Aufnahme, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Laterne (Grosse Version)«, Detail Seitenansicht, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Im Inneren der »Laterne« steht ein Lichtkasten, in dem pro Seite zwölf herkömmliche Neonröhren aus dem Baumarkt befestigt sind.


Foto (1993)

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 »Foto«, 1993, Epoxydharz, Holz, Acryl, Öltubenfarben, 100 x 100 x 123 cm, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, 1993/148-01, Foto: Axel Schneider, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Epoxidharz, Holz, Acryl, Öl
Ca. 100 x 100 x 123 cm
Versionen: 2, (1 artist's proof)
1.Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (Inv.-Nr.: 1993/148-01)
2. Geschenk Kunsthalle Bremen des Stifterkreises für den Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen, 1994 (Inv. Nr.: 710-1994/3)
3. Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover – Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf 2006/2007
Mrtin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004
Fama: Vier Positionen zeitgenössischer Skulptur in Dresden, Städtische Galerie für Gegenwartskunst, Dresden 2002
Kunstverein Hannover, Hannover 2002
Zwischenzeit. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2002
Zoom: Ansichten zur deutschen Gegenwartskunst, Sammlung Landesbank Baden-Württemberg, Forum und Galerie Landesbank Baden Württemberg, Stuttgart; Galerie der Stadt Stuttgart; Galerien der Stadt Esslingen, Villa Merkel und Bahnwärterhaus, Esslingen; Württembergischer Kunstverein, Stuttgart; Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Kunsthalle zu Kiel, Kiel 1999
Private View: A Temporary Exibition of Contemporary British and German Artists, Henry Moore Institute at the Bowes Museum, Barndard Castle, 1996
Views from Abroad. European Perspectives on American Art 2, Whitney Museum of American Art, New York 1996
Szenenwechsel VII. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1995
École Nationale des Beaux-Arts de Bourges, Bourges 1994
Menschenwelt.( Interieur), Portikus, Frankfurt am Main; Castello di Rivoli, Turin; Norwich Gallery, Norfolk Institute of Art and Design, Norfolk; Württembergischer Kunstverein, Stuttgart; Westfälischer Kunstverein, Münster 1993
Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen, Kunsthalle Bremen, Bremen 1993

Objektbeschreibung
Das Objekt »Foto« bezieht sich auf ein Dia aus dem Familienalbum der Eltern von Martin Honert. Es zeigt eine Szene, in der alle Familienmitglieder am Tisch sitzen. Gemeinsam studieren sie Reiseführer für eine bevorstehende Spanienreise. Nur der kleine Martin schaut direkt in die Kamera. Diesen Moment hat der Künstler in seiner Arbeit isoliert und festgehalten.
Martin Honert arbeitete an dem Objekt während eines Stipendiums in Bourges, Frankreich.

Bildträger
Die Figur und die Tischdecke modellierte Honert in Ton nach einem Papierabzug des Dias. Das Tischgestell und der Stuhl sind aus Holz. Das Gestell ließ der Künstler in einer Schreinerei anfertigen, den Stuhl fand er im Sperrmüll.
Martin Honert formte eine Silikonnegativform von Figur und Tischdecke. In einer Abformwerkstatt ließ er beides in Epoxidharz abgießen. Der Köper des Jungen besteht aus ca. fünf Teilen. An der Unterseite des Jungen befindet sich eine Schraubverbindung, zur Fixierung auf dem Stuhl. Um für den Stuhl den Charakter eines Abgusses zu imitieren, überarbeitete Honert die Fugen des Stuhles mit Kitt.

Fassung
Figur und Tischdecke wurden bereits in der Abformwerkstatt mit einer Grundierung für Epoxidharze bestrichen. Bei der farbigen Bemalung der beiden Teile legte Honert Farbflächen in Acryl an. Das Muster auf der Tischdecke wurde mit einem grauen Buntstift (Polychromos, Fa. Faber Castell) vorskizziert und durch quadratische Schablonen mit Acrylfarben aufgetupft.
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 »Foto«, Detail Junge und Tisch, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die Weißschleier und Schatten auf der Tischdecke, sowie die Schattenpartien und Lichter auf der Figur führte Martin Honert in Öl aus. Er verwendete zur Verdünnung bewusst ein Malmittel (Malmittel 1, Fa. Lukas), welches der Oberfläche einen matten Glanz verleiht.
Bei der Farbfassung der Holzoberflächen legte Honert ebenfalls die Flächen in Acryl an und setzte dünne Öllasuren als abschließende Schicht auf.


Zigarrenkistenbild (1988)

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 »Zigarrenkistenbild«, 1988, Sperrholz (Gabun-Furnier), Acryl, Öl, 250 x 170 cm, Unikat, Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, Foto: Friedrich Rosenstiel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Sperrholz (Gabun-Furnier), Acryl, Öl
250 x 170 cm
Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Martin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004
Zwischenzeit. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2002
Szenenwechsel I. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1992
Peter Mertes Stipendium, Bonner Kunstverein, Bonn 1991
Carnet de Voyage. Fondation Cartier, Jouy-en-Josas 1990
Martin Hondert. Katharina Fritsch und Thomas Ruff. Stichting de Appel, Amsterdam 1989

Objektbeschreibung
Das Bildmotiv entwickelte Martin Honert aus Illustrationen, die man aus Zigarrenkisteninnenseiten kennt : Eine von Palmen flankierte Aussicht auf ein blaues Meer. Dem Künstler war es dabei sehr wichtig den Eindruck von dünnem, auf Holz aufgeklebtem Papier zu erwecken. Dafür ließ Martin Honert einen ein Zentimeter breiten, weißen Rand um die Malerei stehen. Die Farbigkeit und Oberfläche des Holzbildträgers soll an Zigarrenkisten erinnern.

Bildträger
Der Bildträger besteht aus einer siebenfach verleimten Sperrholzplatte mit Gabunfurnier.
Martin Honert klebte den Bereich, den er bemalen wollte auf der Sperrholzplatte mit Klebeband ab, um einen sauberen, geraden Rand zu erlangen.

Fassung
Zur Isolierung strich Martin Honert eine Schicht, mit Wasser verdünntem Capaplex (Hersteller: Fa. Caparol. Anm. d. Red.) auf. Um eine glatte Oberfläche zu erlangen, musste die Isolierung geschliffen werden. Die Grundierung Alpina-Weiß (weiße Dispersionsfarbe der Fa. Caparol. Anm. d. Red.) wurde in mehreren Schichten stark mit Wasser verdünnt, aufgetragen. Nach jeder Grundierungsschicht schliff Martin Honert mit feinem Schmirgelpapier die Oberfläche glatt. Auf der geglätteten, weißen Grundierung klebte er einen ein Zentimeter breiten Rand mit Klebeband ab. Es erfolgte die Bemalung der Flächen mit Acrylfarben (Fa. Lukas.). Die Feinheiten wie Blätter, Lichter und Schatten malte der Künstler in dünnen Öllasuren. Als Verdünnungsmittel verwendete Martin Honert neben konfektioniertem Malmittel (Fa. Lukas) auch Balsamterpentinöl.


Herr der Fliegen (Wackelbilder) (1995)

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 »Herr der Fliegen (Wackelbilder)«, 1995, Polystyrol, Fotografien, Pappkarton, 4 Bilder: 30 x 21 cm (je Bild), Versionen: 3, 1. Westfälischer Kunstverein, Münster, Foto: Oren Slor, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Polystyrol, Fotografien, Pappkarton
4 Bilder: 30 x 21 cm (je Bild)
Versionen: 3 (1 artist's proof)
Eine eigene 10 er Version eines Motives wurde vom Westfälischen Kunstverein Münster aufgelegt.

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Martin Honert. Werkverzeichnis. 1982-2003. Matthew Marks Gallery März – April 2004, New York 2004

Objektbeschreibung
Als Motive wählte der Künstler vier Szenen aus dem Film Herr der Fliegen von Peter Brooks (1954), nach dem gleichnamigen Roman von William Golding: Die Bewaffnung, Die Maske aus Tierhaut, die Verfolgung und die Gefangennahme.

Bildträger
Honert fotografierte vier Filmstills von dem Videofilm mit einem Schwarz – Weiß – Film ab.
Wackelbilder bestehen aus Polystyrolplatten mit prismenartiger Oberflächenstruktur, die ausschließlich in einer Schweizer Firma hergestellt werden und nicht im Handel erhältlich sind. Der Künstler benutzte daher alte Polystyrolplatten von italienischen Devotionalien. Dazu mussten die Bilder auf der Rückseite abgelöst werden.

Fassung
In einer Reproanstalt wurden von den Fotos Streifenfilme speziell dafür hergestellt und auf die prismenartige Oberfläche der Polystyrolplatten aufgeklebt.
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 »Herr der Fliegen (Wackelbilder)«, Detail Bewaffnung, Oberflächenstruktur des Linienrasterbildes, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die vier Prismen hat Martin Honert in einen matten, weißen Pappkarton auf eine Ebene eingebettet.
Bei einer konservatorischen Maßnahme der Matthew Marks Gallery, New York, wurden die Bilder mit Plexiglas® verglast, was ihre ursprüngliche Wirkung von matter (Karton) und glänzender Oberfläche (Prismen) beeinträchtigt.


Feuer (1992)

1:342

 »Feuer«, 1992, Glasfaserverstärkter Polyestergießharz, Zweikoponenten- Polyurethanlack, Öltubenfarben, Innenbeleuchtung, 190 x 220 x 210 cm, Versionen: 3, 1. Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, 1992/402, Foto: Axel Schneider, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Glasfaserverstärktes Polyestergießharz, Zweikomponenten-Polyurethanlack, Öltubenfarben, Innenbeleuchtung
Ca. 190 x 220 x 210 cm
Versionen: 3 (1 Artist's proof)
1. Erworben mit privaten Mitteln als Dauerleihgabe für das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (Inv.-Nr.: 1992/402)
2. Museum of Contemporary Art, Los Angeles, ständige Sammlung, Teilgeschenk von Ivan Moskowitz und Herbert Moskowitz

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover – Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf 2006/2007
Martin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003, Matthew Marks Gallery, New York 2004
Interventions, Milwaukee Art Museum, Milwaukee 2000
Szenenwechsel XVI, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1999

Objektbeschreibung
Diese Arbeit zeigt ein übergroßes, dreidimensionales Bild eines Lagerfeuers.

Bildträger
Der Bildträger besteht aus glasfaserverstärktem Polyestergießharz. Um einen transparenten Bildträger zu erhalten hat der Künstler Gießharz zum Laminieren verwendet, da Polyesterlaminierharz milchig wird. Die Silikonnegativform, bestehend aus vier Teilen, fertigte eine Fachfirma an. Die Grenzen der Einzelformen hat der Künstler zuvor in Strichen auf dem Modell markiert. Die Silikonnegativformen werden zum Ausgießen von außen mit Gips stabilisiert. Die Negativformen hat der Künstler mit Polyestergießharz ausgegossen und dieses mit Glasfaser verstärkt. Dieser Arbeitsschritt war sehr aufwendig, da Gießharz und Glasfaser in Schichten aufgebracht werden und sich nur schlecht miteinander verbinden. Das Gießharz sei »glasklar, aber zäh wie Honig«. Die Glasfasermatten richten sich während des Beschichtens immer wieder auf und im Gießharz bilden sich dadurch zahlreiche Luftblasen. Diese müssen nachträglich mühsam entfernt werden. Nach dem Trocknen lassen sich die Teilformen aus der Negativform herausnehmen. Zum Fügen der Formen dienten Glasfaser und Polyestergießharz als Klebemittel. Bei der Abformung von Polyesterharz aus Silikonformen kommt es zu Irritationen auf der Oberfläche des Polyesterharzes und es bildet sich eine klebrige Schicht. Um diese klebrige und schmutzanziehende äußere Schicht zu überdecken strich Honert einen Zweikomponenten Polyurethanlack auf. Dieser Lack ist lösemittelfrei und liegt wie eine Haut auf dem Polyesterharz. Durch die Glasfaser wird das Polyesterharz getrübt. Um die Transparenz wieder herzustellen, musste von innen ein Überzug aufgebracht werden. Martin Honert strich einen Polyesterharzüberzug in mehreren Schichten auf. Zur Stabilisierung des »Feuers« wurde entlang der Standfläche am Rand eine Tischlerplatte beim Zusammensetzen der einzelnen Teile des »Feuers« mit eingeklebt.

Fassung
Bemalt hat Martin Honert das »Feuer« mit Öl- und Gouachefarben. Für die Flammen wählte Martin Honert die transparenten Ölfarben Krapplack, Ultramarin und Neapelgelb (Fa. Schmincke, Fa. Lukas).
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 »Feuer«, Ausstellungsabbau: Detail Flammen, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

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 »Feuer«, Ausstellungsaufbau: Detail Flammen, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Für die Holzscheite verwendete er Gouachefarben (Fa.Schmincke, Fa. Lukas), um eine matte und deckende Oberfläche zu gestalten.
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 »Feuer«, Ausstellungsaufbau: Detail Holzscheite, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Als Mal- und Verdünnungsmittel nutzte Martin Honert Leinöl.
Die Innenbeleuchtung besteht aus drei Leuchtquellen. Über der Holzplatte sind unten am Rand mehrere, kleine Halogenleuchter mit Metallwinkeln auf einlaminierte Holzklötzchen aufgeschraubt. In der Mitte stehen auf einem Gestell mehrere Neonröhren. Darüber hängt an einer Mutterschraube ein weiteres Gestell mit Neonröhren. Die Neonröhren des oberen Gestells sind mit einer Folie umwickelt, um das Licht diffuser zu machen. Das untere Gestell wird, je nach Lichtsituation, mit weißen Folien umwickelt, um die Helligkeit der Neonröhren zu dämpfen. Verkabelt wurde mit handelsüblichen Stromkabeln.


Flusslandschaft (2006)

Modelleisenbahn, Polystyrolfolien, Holz, Inkjet-Druck, Videobeamer, Neonröhren
Maße: 105 x 236 x 145 cm
Besitz des Künstlers

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Undercover – Aus dem Verborgenen. Berlinde de Bruyckere. Martin Honert. Kunsthalle Düsseldorf 2006/2007

Objektbeschreibung
Bei diesem Werk ging es Martin Honert darum, ein generelles Bild einer Flusslandschaft zu schaffen.
Die Szene zeigt eine Flusslandschaft mit breiten Wiesen und einem bewaldeten Hang. Entlang des Flusslaufes führt eine Zugstrecke. Alle neun Minuten fährt ein Modellzug, ein Regionalexpress durch die Landschaft.

Bildträger
Die Landschaft, die Straße, die Schienen und die Züge stammen aus dem Modelleisenbahnhandel. Martin Honert gestaltete die Landschaft. Ein Eisenbahntechniker aus Moers kümmerte sich um die technische Steuerung der Modelleisenbahn und die Elektrik der Installation.
Silberne Polystyrolfolien sind auf Holzplatten aufgeklebt. Sie sollen die Landschaft spiegeln. Die Landschaftsfotografien und die fotografischen Aufnahmen des Himmels konnten als Inkjet–Druck bei einem herkömmlichen Dienstleister in Auftrag gegeben werden.
Das bewegte Wasser des Flusses wird von einem Videobeamer (Fa. Panasonic) von unten auf die Unterseite einer Durchsicht – Projektionsfolie vor der Landschaft projiziert.
Die Beleuchtung des Himmels wird mit einfachen Neonröhren, die an einem Holzgestell hinter den Polystyrolfolien montiert sind gesteuert.


Frei-, Fahrten- und Jugendschwimmabzeichen (1986)

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 »Frei- Fahrten- und Jugendschwimmabzeichen«, 1986, Gesamtansicht, Glasmosaik, Spanplatten, Metallringe, 3 Platten, Durchmesser je 120 cm, Unikat, The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb, Horsley and Annie Townsend Bequest, Foto: Friedrich Rosenstiel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Glasmosaik auf Spanplatte
3 Platten, Durchmesser: je 120 cm
The Montreal Museum of Fine Arts, Erwerb, Horsley and Annie Townsend Bequest

Ausstellungsgeschichte
Martin Honert. Galerie Neue Meister Dresden, Lipsiusbau, Dresden 2007
Martin Honert. Werkverzeichnis 1982-2003, Matthew Marks Gallery, New York 2004

Objektbeschreibung
Mit dieser Arbeit nimmt Martin Honert Bezug auf die in den 1950/60er Jahren produzierten Schwimmabzeichen mit Wellensymbol. Er zeigt diese Symbole ohne Schriftzug und um ein vielfaches vergrößert als Mosaik an der Wand.

Bildträger
Der Bildträger besteht aus drei Spanplatten, die in einem Durchmesser von je 120 cm in einer Tischlerei rund zugesägt wurden.

Mosaik
Das Mosaik hat Martin Honert aus weißen und blauen, sechs bis acht Zentimeter dicken Glasplättchen aus Muranoglas angefertigt.
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 »Frei- Fahrten- und Jugendschwimmabzeichen«, Detail Glasmosaik, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Hierbei schnitt er die einzelnen Plättchen mit einer Fliesenzange zu. Das Mosaik klebte Honert mit Ponal (Fa. Henkel) auf die Spanplatten auf und verfugte mit Zement. Zur Fassung des Mosaiks ließ Martin Honert einen Metallring in einer Schlosserei anfertigen.
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 »Frei- Fahrten- und Jugendschwimmabzeichen«, Detail, Metallring, Foto: Nina Mentzel, © VG Bild-Kunst, Bonn 2007

Die vollständige Seminararbeit kann hier im Pdf-Format herunter geladen werden.

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